Beschreibung

Die Geschichte der Kirche St. Johannes der Täufer in Orawka

fot. Tomasz Parys

Die Kirche ist die älteste katholische Pfarrkirche im polnischen Teil von Ober-Orava. Das Bau dauerte acht Jahre, von 1651 bis 1658. Im Jahre 1715 weihte Bischof Lukas Nataly die Kirche. Der älteste Teil ist das Kirchenschiff mit dem einst freistehenden Turm. Erst zu Beginn des 20. Jh. wurde die Kirche mit dem Turm verbunden.  Im Jahre 1728 wurde an die Holzkirche eine gemauerte Kapelle angebaut, die der Schmerzhaften Mutter Gottes gewidmet ist.

Die Kirche hat drei spätbarocke Altäre aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Kirche kann sich zahlreicher bildkünstlerischer Werke rühmen. Ein hervorstechendes Merkmal ist die überaus reiche figürlich – ornamentale Polychromie. Der Hauptaltar wird von einer interessanten Pietadarstellung vom Ende des 17. Jahrhunderts geschmückt. Flankiert wird die Pieta von den polnischen Schutzheiligen Adalbert (links) und Stanislaus (rechts. Über den Altartüren thronen mit den heiliggesprochenen Ungarnkönigen Stephan I. und Ladislaus I. die Reichsgründer Ungarns.
Die oberen Ränge des Hauptaltars zeigen die heilige Elisabeth von Thüringen, die Märtyrerin Katharina von Alexandria sowie Barbara von Nikomedien und Margarete von Schottland, eine Enkeltochter König Stephans I.

Der Altar auf der linken Seite im Hauptschiff des Altars der Allerheiligsten Jungfrau Maria. Bemerkenswert ist die Darstellung des Erzengels Michael und sein Sieg über den Teufel.

Der rechte Altar zeigt die Passion Christi, das Bild ist eine Kopie der Kreuzigung von Peter Paul Rubens. Das Bild ist mit einer Figur „Christus Schmerzensmann“ bedeckt, die älteste Kirchenfigur von 1490. Es hat alle Eigenschaften des gotischen Stils und genießt die Natürlichkeit der Verarbeitung.

fot. M.Jurasz

Auf dem hölzernen Triumphbogen verweist die Jahreszahl 1711 unterhalb der Kreuzigungsgruppe auf den Abschluß der überaus prächtigen Ausmalung der Kirche. Diese reicht von der Decke bis zum Kirchengestühl und dem Beichtstuhl. Wer genau die zahlreichen beeindruckenden Bildzyklen geschaffen hat, ist nicht überliefert. In der Kirche gibt es viele Kunstwerke. Sehr reiche Grafiken und dekorative Polychromes sind auffällig. Auf der rechten Seite des „Leidensweges Jesu“  befindet sich das Wappen von Erzbischof Esztergom Georg Lippay. Auf der linken Seite bemerkt man das Wappen von Kaiser Ferdinand III. Habsburg. Sie waren die Patrone und Wohltäter der Kirche in Orawka. Wer genau die zahlreichen beeindruckenden Bildzyklen geschaffen hat, ist nicht überliefert. Die ältesten Wandmalereien zeigen vierzehn Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers, des Namenspatrons der Kirche. Lateinische Bibelzitate über jeder Szene liefern die Erklärung dazu.

Unterhalb dieser Bilderfolge sind über fünfzig Heilige und Gesegnete dargestellt, die eng mit der Ungarische Königreich verbunden waren.
Die hölzerne Kassettenholzdecke zieren herrliche Rosetten in leuchtenden Farben und verschiedenen Formen.

fot. M.Jurasz

Die Malereien an der Chorbalustrade links vom Haupteingang illustrieren anschaulich die zehn Gebote und zeugen von einer genauen Kenntnis des damaligen Lebens der Adligen und Bauern, der Bräuche und Sitten der Region Ober Orawa. Erwähnenswert ist auch noch die naive Darstellung der Szene mit der Hölle. Man findet sie gleich hinter der Eingangstür am Aufgang zum Chor.

Die Orgel von 1670 war ein Geschenk der Habsburger an den damaligen König von Ungarn. Ihre Instrumente geben authentisch Auskunft über Instrumentenbau und Spielpraxis jener Zeit.

In einem freistehenden Turm, auf der Nordseite der Kirche, wir sehen die Glocken. Im Jahre 1651 schenkte König Ferdinand IV. von Habsburg dem Kirchlein in Orawka eine Glocke. Ein Jahr darauf spendete der Keiser Ferdinand III. zwei kleinere Glocken. Bis auf älteste Glocke wurden diese während des 1. Weltkriegs von ungarischen Behörden requiriert. Ihr Verbleib ist unbekannt.

Gern begrüßen wir Sie persönlich in unserer bemerkenswerten Kirche. Sie sind herzlich eingeladen.

Bearbeitung: Hans-Jürgen Moder