Beschreibung

Im Jahre 1650 kam der Priester Johann Szczechowicz nach Orawka und begann mit dem Bau der katholischen Kirche aus Spenden der einheimischen Bevölkerung. Es dauerte sechs Jahre, ehe 1656 das Gotteshaus fertiggestellt war. Damit ist sie die älteste katholische Kirche in der Region Gorna Orawa.

Im Jahre 1715 weihte Bischof Lukas Nataly die Kirche.

Der älteste Teil ist das Kirchenschiff mit dem einst freistehenden Turm. Erst zu Beginn des 20. Jh. wurde die Kirche mit dem Turm verbunden. Das Schiff diente in den Anfangsjahren als Kapelle, in welcher der Gottesdienst abgehalten wurde.

Im Jahre 1728 wurde an die Holzkirche eine gemauerte Kapelle angebaut, die der Schmerzhaften Mutter Gottes gewidmet ist. Altar und Orgel stammen aus der Zeit des Baus der Kapelle. Die Darstellungen des Gottesvaters, des Heiligen Geistes und des Sohnes am Kreuz sind so alt wie die Kirche selbst, also etwa 360 Jahre. Die beachtenswerte Darstellung der 14 Stationen des Kreuzwegs in der Kapelle stammt von 1857 und wurde von dem regional tätigen Kirchenmaler Szczepan Sitarski aus Zembrzyce geschaffen. Sie geizt nicht mit naturalistischen Details.

Im Jahre 1651 schenkte König Ferdinand III. von Habsburg dem Kirchlein in Orawka eine 15 Zentner schwere Glocke mit der Aufschrift: „Me donavit Ferdinandus III Imperator Romanorum Augusti 1651“. Ein Jahr darauf spendete der ungarische König Ferdinand IV. zwei kleinere Glocken mit der Aufschrift: „Me donavit universis Catholicis Arvensibus Ferdinandus IV Rex Hungariae, Bohemias 1652“. Bis auf eine Glocke wurden diese während des 1. Weltkriegs von ungarischen Behörden requiriert. Ihr Verbleib ist unbekannt.

Die Kirche hat drei spätbarocke Altäre aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ihre kleinen und bescheidenen Vorgänger wie auch die erste Kanzel gingen verloren. Die Kirche kann sich zahlreicher bildkünstlerischer Werke rühmen. Ein hervorstechendes Merkmal ist die überaus reiche figürlich-ornamentale Polychromie.

Der Hauptaltar wird von einer interessanten Pietadarstellung vom Ende des 17. Jahrhunderts geschmückt. Flankiert wird die Pieta von den polnischen Schutzheiligen Adalbert (links) und Stanislaus (rechts. Über den Altartüren thronen mit den heiliggesprochenen Ungarnkönigen Stephan I. und Ladislaus I. die Reichsgründer Ungarns. Die oberen Ränge des Hauptaltars zeigen die heilige Elisabeth von Thüringen, die Märtyrerin Katharina von Alexandria sowie Barbara von Nikomedien und Margarete von Schottland, eine Enkeltochter König Stephans I.

Der links vom Hauptaltar befindliche Altar der Allerheiligsten Jungfrau Maria. Bemerkenswert ist die Darstellung des Erzengels Michael und seines Sieges über den Teufel.

Der rechts vom Hauptaltar gelegene Nebenaltar stellt die Leiden Christi dar. Bei dem Gemälde handelt es sich um eine lokale Kopie der „Kreuzigung“ von Peter Paul Rubens. Der Altar verstellt unglücklicherweise den Blick auf den “Nachdenklichen Christus”, die älteste Statue in der Kirche aus dem Jahr 1490. Sie trägt alle Stilmerkmale der Gotik und gefällt durch die Natürlichkeit der Darstellung.

Auf dem hölzernen Triumphbogen verweist die Jahreszahl 1711 unterhalb der Kreuzigungsgruppe auf den Abschluß der überaus prächtigen Ausmalung der Kirche. Diese reicht von der Decke bis zum Kirchengestühl und dem Beichtstuhl. Wer genau die zahlreichen beeindruckenden Bildzyklen geschaffen hat, ist nicht überliefert. Beim Betreten der Kirche ist man von der Fülle der Wandbilder und Plastiken überrascht. Wie auf einer Teppichstange reiht sich praktisch von der Decke bis zum Boden Bild an Bild. Man glaubt sich in die Teppichsammlung des Wawel in Krakow versetzt. Die ältesten Wandmalereien zeigen vierzehn Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers, des Namenspatrons der Kirche. Lateinische Bibelzitate über jeder Szene liefern die Erklärung dazu.

Unterhalb dieser Bilderfolge sind über fünfzig Heilige und Gesegnete dargestellt, die eng mit der Königreich  Ungarn verbunden waren. Das brachte der Kirche den inoffiziellen Titel Kirche der ungarischen Heiligen ein. Die hölzerne Kassettenholzdecke zieren herrliche Rosetten in leuchtenden Farben und verschiedenen Formen. Es liegt nahe, daß die Maler die höfischen Vorbilder ihrer Zeit genau gekannt haben.

Die Malereien an der Chorbalustrade links vom Haupteingang illustrieren anschaulich die zehn Gebote und zeugen von einer genauen Kenntnis des damaligen Lebens der Adligen und Bauern, der Bräuche und Sitten der Region Gorna Orawa. Die sogenannte Armenbibel berührt und fasziniert noch heute durch die Volkstümlichkeit der Motive. Diese Gemälde geben auf einzigartige Weise Auskunft über die Volkstrachten und Gebrauchsgegenstände jener Zeit. Erwähnenswert ist auch noch die naive Darstellung der Szene mit der Hölle. Man findet sie gleich hinter der Eingangstür am Aufgang zum Chor.

Auf der rechten Seite des „Leidensweges Jesu“ sieht man das Wappen des Erzbischofs von Esztergom, Georg Lippay. Er war einer der Gönner und Wohltäter der Kirche in Orawka. Auf der linken Seite bemerkt man das Wappen der Habsburger Kaiser. Über dem Chor entdeckt der Besucher das Wappen der Orawaer Schulzenfamilie Moniak, die das Amt von der Gründung des Dorfes im 16. Jh. bis zur Mitte des 19. Jh. innehatte und 1674 in den Adelstand erhoben worden war. Das Wappen zeigt einen auf den Hinterläufen stehenden Wolf, der in seinen Pfoten ein Kreuz und ein Schwert hält. Über die Lebensverhältnisse der Moniaks und all der anderen armen oder reichen Bauern erfährt man viel bei einem Besuch des Freilichtmuseums von Orawa in Zubrzyca Gorna.

Die renovierungsbedürftige Orgel von 1670 war ein Geschenk der Habsburger an den damaligen König von Ungarn. Der hielt seine schützende Hand über die Katholiken und besonders über die Kirche von Orawka. Zierde der Orgelempore sind die dreizehn musizierenden Engel. Ihre Instrumente geben authentisch Auskunft über Instrumentenbau und Spielpraxis jener Zeit.

Auf ihre Weise ist die Kirche von Orawka auch ein Mausoleum der in der Region Gorna Orawa tätigen Geistlichen. Immerhin sieben Pfarrer haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Der bedeutendste von ihnen, Johann Szczechowicz, ruht unmittelbar vor dem Hauptaltar. Er gilt als Apostel und Vorkämpfer der Lehre Christi während der Gegenreformation. Kaiser Ferdinand III., König von Ungarn und Kaiser von Österreich, würdigte die Verdienste des Archidiakon und Pfarrers der Gemeinden um Orawka mit dem Orden „Preposita de Valko“.

Gern begrüßen wir Sie persönlich in unserer bemerkenswerten Kirche. Sie sind herzlich eingeladen.

Bearbeitung: Hans-Jürgen Moder